WVL: Stadtteilzentrum Gohlis „abspecken“ – zur Belebung der Georg-Schumann-Straße

Januar 20, 2009 · Abgelegt unter Haushalt, Stadtentwicklung, Wirtschaft 

Nach zahlreichen Einwendungen von Anwohnern, Einzelhändlern sowie der Industrie- und Handelskammer fordert die unabhängige Wählervereinigung Leipzig (WVL), das überdimensionierte Projekt eines Stadtteilzentrums in Gohlis abzuspecken. „Zur Stärkung der Gesamtinfrastruktur des Stadtteils und der stark gebeutelten Georg-Schumann-Straße sollten dort bereits vorhandene, jedoch leerstehende Ladenflächen mit in das Stadtteilzentrumskonzept einbezogen werden“, fordert Falko Bestfleisch, stellvertretender Vorsitzender der WVL.

Der in Möckern ansässige Arnold Winter sieht die Neuplanung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Grundsätzlich begrüße die WVL ja, dass nach Jahren des Stillstandes endlich auf dem Gelände der alten Brauerei etwas passiere: „Mit der Bebauung des riesigen Geländes wird einerseits eine unansehnliche Industriebrache beseitigt. Damit wird aus der Sicht der Bebauung die Georg-Schumann-Straße natürlich aufgewertet. Andererseits ist die gigantische Größe aber auch eine Gefahr für sehr viele Einzelhändler und andere mittlere Einrichtungen wie für die Axis- Passagen und den Einkaufsmarkt in der Möckernschen Straße.“

Mit dem Vorschlag der WVL könnten viele Anlieger und Akteure gut auskommen. Zum einen würden die zahlreichen Bedenken der Anlieger in den Nebenstraßen (um das neue Zentrum herum) wegen der abzusehenden Verkehrs- und Lärmbelästigung endlich Gehör finden. Die Belebung der Georg-Schumann-Straße würde zum Zweiten durch Förderung der Ansiedlung von Einzelhändlern besser verteilt werden als nach dem bisherigen Konzept. So konnte bisher nicht ausgeschlossen werden, dass die bereits erneuerte Trasse aufgrund der zu erwartenden Verkehrsströme nicht noch einmal einen Umbau benötigen würde. „Dies ist selbstverständlich nicht im Sinne der Verkehrsberuhigung und damit der Revitalisierung dieser wichtigen Stadtbahntrasse, welche nach dem Neubau der B6 endlich eintreten soll“, so Arnold Winter. Drittens würde der ansässige Einzelhandel zwar weiterhin vor eine Herausforderung gestellt, diese wäre jedoch annehmbarer als nach bisheriger Planung. Die Konkurrenz würde durch eine stärkere Verteilung gesund gehalten und eine Konzentration an einem Ort vermieden.

Mit dem kommenden Umzug der Stadtteilbibliothek von der Axis-Passage in das neue Stadtteilzentrum ist die WVL auch nicht vollends zufrieden. Falko Bestfleisch hofft auf bessere Bedingungen durch mehr Raum: „Hoffentlich bedeutet der Umzug an den neuen Standort mehr Platz für mehr Bücher,
bessere Räumlichkeiten für Lesungen und externe Veranstaltungen sowie eine faire Mietsituation, in der nicht noch mehr knappe Haushaltsmittel aufgewendet werden müssen. Ansonsten wäre der Umzug vor diesem Kosten-Nutzen Kalkül nicht zu rechtfertigen.“

Wolfgang Dinter, Stadtbezirksbeirat im Bezirk Nordwest fürchtet dabei auch um schlechtere Anreisebedingungen für ältere Menschen, denn „wahrscheinlich bedeutet der Umzug für ältere und eventuell gehbehinderte Menschen aus entfernteren nördlichen Stadtteilen einen weiteren und sogar verschlechterten Anreiseweg.“ An eine Begünstigung durch ein Zusammenspiel von Supermarkt und Bücherei mag in der WVL keiner so recht glauben.

Die Mitglieder der WVL möchten nicht warten, bis die etablierten Parteien im Stadtrat das Richtige machen, sondern haben bereits seit Oktober 2008 Eigeninitiative ergriffen: Zusammen mit weiteren Einzelhändlern und interessierten Bürgern sowie tatkräftiger Unterstützung der WVL sind Sie dabei,
aus der Interessengemeinschaft „Schumi“ einen Verein zu gründen und sich mit in den Dialog mit den zuständigen Behörden, z.B. beim STEP-Zentren Konzept und der Verteilung der bald zu erwartenden EFRE-Gelder, einzubringen. Arnold Winter: „Über weitere Bürger, die sich gern aktiv mit daran
beteiligen würden, wäre man sehr froh.“