„Leipzig braucht keinen neuen Sportpalast“ von Manuel Kuzaj

Januar 7, 2010 · Abgelegt unter Haushalt, Stadtentwicklung 

Ist es wirklich der Ernst der Stadtführung, speziell der Fraktion der Linken, auf der Alten Messe neue Sportstädten für Handball, Volleyball, Basketball und Hockey entstehen zu lassen? Schafft man sich wirklich Vorteile, vier Sportarten in einer Halle zusammenzuführen und die Arena Leipzig endgültig zu einer reinen Konzerthalle verkommen zu lassen? Und gleicht man damit wirklich die so begründeten fehlenden Hallenzeiten aus?

Nach einem Bericht der LVZ in ihrer Ausgabe vom 19.12.2009 scheint dies so zu sein. Auch wenn die Arena offiziell eine Multifunktionshalle ist, so gehört sie trotzdem zu einer der modernsten in Europa, was nicht zuletzt an der mit sechs Bahnen angelegten 200-Meter-Laufbahn, die leider nur zu selten genutzt wird, liegt. Begründet wir die Schaffung des neuen Ballsportzentrums damit, dass die Arena aufgrund vieler Konzerte zu oft blockiert ist. Das ist auch richtig.
Denn so sind für das erste Quartal 2010 zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 20 Konzerte angemeldet; für das gesamte Jahr 2010 bis jetzt schon knapp 40 Veranstaltungen geplant. Bedenkt man die benötigte Auf- und Abbauzeit der Bühnentechnik und so weiter, so ist die Arena im Jahr für etwa 100 Tage blockiert. Und zwar für Veranstaltungen, die nichts mit Sport zu tun haben.

Wer das nun mit den tatsächlichen Sportveranstaltungen des HCL oder der Leichtathletik, wofür die Arena durch den Einbau der Laufbahn auch konzipiert gewesen zu sein scheint, gegenrechnet, wird feststellen, dass für die Heimspiele des HCL oder anderer Vereine weitaus weniger Spieltermine benötigt werden. So ist unterm Strich eindeutig zu erkennen, dass Leipzig keinen neuen Sportpalast braucht, sondern eher eine reine Konzert- und Veranstaltungshalle. Weil allerdings ein solches Vorhaben wahrscheinlich nicht durch das sächsische Förderprogramm finanziell unterstützt werden würde, miss man den Bürgern glaubhaft machen, ein Ballsportzentrum werde dringend gebraucht.

Darüber hinaus erscheint es in meinen Augen nicht besonders gelungen, den so oft als sportliches Aushängeschild titulierten HCL aus der Arena als inzwischen langjährige Spielstätte zu verbannen. Gelichwohl ist es äußerst rätselhaft, warum auch, trotz vieler Alternativen (Neue Messe, Haus Auensee, Haus Leipzig) weitere Kapazitäten für Konzerte benötigt werden.

In diesem Sinne sollte man sich, auch aufgrund der benötigten 15 Millionen Euro, sehr genau überlegen, wofür das Geld am sinnvollsten verwendet wird. Nicht zuletzt muss man sich an dieser Stelle auch wieder fragen, wo dann die zehn Millionen für den ausgeglichenen Haushalt aufgebracht werden sollen.