Stellungnahme der Wählervereinigung Leipzig (WVL) zur LVB-Busnetzreform „Netz-2010 – Einfach mehr Bus“

April 11, 2010 · Abgelegt unter Infrastuktur / Verkehr, Stadtentwicklung, WV-Leipzig 

Sehr geehrte Frau Höfer, sehr geehrter Herr Flache,

in den letzten Wochen hat sich die Wählervereinigung Leipzig, und dabei insbesondere die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, intensiv mit der Busnetzreform „Netz-2010 – Einfach mehr Bus“ der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) beschäftigt.

Dabei fand ein enger Diskurs zwischen den Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leipzig sowie Mitgliedern der WVL statt, um die Auswirkungen der Reform, positiv wie negativ, zu analysieren. Mit diesem Brief möchten wir Ihnen unsere Bedenken sowie Verbesserungsvorschläge unterbreiten und hoffen, dass diese in den Netzentwurf eingearbeitet werden können.

Grundsätzlich begrüßt die WVL die Busnetzreform „Netz-2010“ und stellt fest, dass durch die Schaffung von neuen Buslinien bzw. deren teilweiser Verlängerung sowie durch die Errichtung neuer Haltestellen die Attraktivität des Busnetzes gesteigert wird. So werden Sie in diesem Schreiben weniger Kritik bezüglich der Busreform finden, als vielmehr zu den Plänen der Straßenbahnen, insbesondere der Linien „2“ und „8“.

1. Trotzdem ist bei den Veränderungen im Busverkehr auf die berechtigten Kritiken der Bevölkerung zu achten. Es ist auf die Belange der älter werdenden Bürger Rücksicht zu nehmen. So sollte es der LVB, die als ihre Philosophie ausgibt, „DER Mobilitätsdienstleister für die Menschen in und um Leipzig“ zu sein, wichtiger erscheinen, die Erreichbarkeit eines Ärztezentrums sicherzustellen, als einen kleineren Umweg auf dem konzipierten Fahrweg zu fahren. Nicht vergessen werden darf, dass alle Haltestellen sogenannte Bedarfshaltestellen sind. Dass heißt, der Bus hält nur an einer Haltestelle, wenn eine Person an dieser steht oder den Fahrgast(halte)wunsch im Bus betätigt.

2. Überhaupt sollten die Buslinien der besseren Erschließung von Umsteigepunkten zur Straßenbahn und dem S-Bahn-Verkehr dienen und Gebiete abdecken, welche nicht von Straßenbahnen angefahren werden.

3. In diesem Zusammenhang gaben uns einige Bürger zu bedenken, warum die Leipziger Verkehrsbetriebe statt der im Leipziger Süden befindlichen Siedlung „Johannishöhe“ (Dölitz-Dösen), die zu Markleeberg (-Ost) gehörende Siedlung nördlich des Markkleeberger Sees (an der Wachauer Straße) anfahren wollen. So bleibt die Siedlung „Johannishöhe“ nach der Busnetzreform nach wie vor schlecht an das Busnetz angebunden. Demnach könnte eine Routenänderung der Buslinie „108“ von Probstheida (bzw. durch die Bauarbeiten ab Meusdorf) bis Markleeberg-Mitte die Anbindung sicherstellen. Dabei könnte von der Chemnitzer Straße aus kommend nach wie vor eine Haltestelle an der Leinestraße zur Anbindung des Gewerbegebietes Wachau und des Globus-Marktes existieren. Danach würde der Bus die Leinestraße Richtung Dölitz-Dösen fahren. Über die Dösener Straße oder die Bornaische Straße würde der Bus nach Markleeberg-Ost zurückkehren. Hier würde wieder ein Anschluss an die Endhaltestelle der Linie „11“ sichergestellt sein. Außerdem könnten weite Teil des Wohngebietes nördlich des Markleeberger Sees weiterhin erschlossen werden, bevor der Bus seine Fahrt weiter Richtung Großstädteln Bahnhof fortsetzen würde. Am Wochenende könnte, auch zur besseren touristischen Erschließung des Markleeberger Sees (gerade in den Sommermonaten), die Endhaltestelle statt in Wachau („An der Höhe“) an der Endhaltestelle der Linie „11“ oder an der Haltestelle „Markleeberg Seepromenade“ liegen, wo ein Anschluss an die Linie „65“ besteht.

4. Die Errichtung weiterer Bushaltestellen im Stadtgebiet führt auf der einen Seite natürlich dazu, das Busangebot zu erhöhen, auf der anderen Seite kommt es dabei allerdings zu einer deutlichen Abwertung des Kurzstreckentickets. In diesem Zusammenhang fordert die WVL, dass das derzeit für vier Stationen gültige Ticket wieder auf sechs Stationen erweitert wird.

5. In diesem Zusammenhang muss auch angemahnt werden, dass die LVB zukünftig darum bemüht sein sollte, flexiblere Ticketangebote für die Bürgerinnen und Bürger in Leipzig und auch und vor allem für die nach Leipzig kommenden Touristen zu schaffen. Sie sind es, denen man sich aus touristischer Sicht besonders entgegenkommend zeigen muss. Auch um eine attraktive Möglichkeit zu bieten, sie dazu zu bewegen, ihr Auto stehen zu lassen und sich umweltbewusst mit dem öffentlichen Personennahverkehr der Stadt Leipzig fortzubewegen und (trotzdem) alle Ziele bequem erreichen zu können.

6. Das Osterwochenende, mit seinem schönen Wetter, hat gezeigt, wie viele Menschen sich mit dem öffentlichen Nahverkehr fortbewegen wollen. Eine 15-minütige Straßenbahntaktfrequenz ist am Wochenende, gemessen am Personenaufkommen, eindeutig zu wenig. Eine verkürzte Taktfrequenz ist daher wünschenswert.

7. Der Leipziger Zoo erlebte am Osterwochenende einen wahren Besucheransturm. Viele Menschen nutzen auf dem Weg zum Zoo und von diesem wieder weg die Straßenbahnlinie „12“. Enttäuschend ist, dass all diese Menschen doch tatsächlich, wenn sie schon ihr Auto stehen lassen und sich mit dem öffentlich Nahverkehr fortbewegen wollen, dann auf dem Nachhauseweg bis zu 15 Minuten auf die nächste Straßenbahn warten mussten. Auch die LVB könnte durch den Ticketverkauf profitieren, wenn sie ihr Angebot auf der Linie „12“ vor allem am Wochenende erhöhen würde. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, will man sich nicht auf das zweite Parkhaus verlassen, welches gebaut werden soll. Dem mit der Eröffnung des Gondwanalandes bevorstehenden Besucheransturm ist auch dahingehend Rechnung zu tragen.

Hier sollte am Wochenende wenigstens versucht werden, eine Verbindung zwischen der Wendeschleife am Grassimuseum (Dresdner Straße / Täubchenweg) und der Haltestelle „Zoo“ anzubieten. Nach der Haltestelle „Zoo“ könnte die Linie „12“ über den „Nordplatz“, die „Michaelisstraße“ und den „Wilhelm-Liebknecht-Platz“ zum Hauptbahnhof und von dort aus wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Bei dieser kleinen Schleife würden 2-3 Tatra- oder Leolinerwagen ausreichen, um eine gute Taktfrequenz herzustellen. Dabei würden sicherlich nicht nur Zoobesucher diese Linie nutzen.

Der Ausbau des Busnetzes unter dem von Ihnen unterbreiteten Slogan „Einfach mehr Bus“, muss jedoch auch um den Zusatz „weniger Straßenbahn“ ergänzt werden. Die Verkürzung der beiden Straßenbahnlinien „2“ und „8“ kritisiert die WVL, wie auch der Schreiber dieses Briefes, scharf.

8. Zu bedenken ist, dass sich in Grünau mit dem „Max-Klinger-Gymnasium“ und der „94. Mittelschule“ (Miltitzer Weg) zwei Schulen befinden, die eine Kapazität von etwa 1500 Schülern besitzen. Das „Max-Klinger-Gymnasium“ verfügt (aufgrund dessen, dass es das einzige Gymnasium im Leipziger Westen ist) über einen großen Einzugsbereich. Demnach sind etwa ein Drittel der Schüler auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. Der Fortbestand der Schulen ist demnach im Wesentlichen auch von der Nahverkehrsanbindung abhängig. Für die Schüler der „Wladimir-Filatow-Schule“ (Am Kirschberg), einer Förderschule für Blinde und sehbehinderte Menschen, wäre es ebenfalls eine Umstellung, wenn sich diese an die neuen Gegebenheiten gewöhnen oder einen zusätzlichen Umstieg einplanen müssten.

Nicht zuletzt sind viele Schüler auch Abonnenten eines entsprechenden Schülertickets Ihres Unternehmens.

9. Deshalb fordert die WVL die LVB auf, eine Kompromisslösung zu entwickeln, in der die Straßenbahnlinie „8“ wochentags in der Hauptverkehrszeit (6.00 – 8.30 Uhr und 14.00 – 17.30 Uhr), welche den Schülerverkehr und den allgemeinen Berufsverkehr einschließt, bis an die Endhaltestelle „Miltitz“ verlängert wird.

10. Es sei ebenfalls darauf verwiesen, dass die zukünftig für die Straßenbahnlinie „8“ eingeplante Endhaltestelle „Grünau-Nord“ derzeit nicht behindertengerecht ausgebaut ist. Dies würde eine Verschlechterung der Situation vom gegenwärtigen Stand bedeuten.

11. Im „Netz-2010“ verweisen Sie richtigerweise auf die Verlängerung der Linie „2“ in den Sommermonaten, um eine bessere Anbindung an den südlichen Teil des Kulkwitzer Sees zu ermöglichen. Jedoch gewährleistet auch die Linie „8“ die Anbindung an den See. So befinden sich im nördlichen Abschnitt die Schiffsgaststätte und die Wasserskianlage. Demnach ist nicht nachzuvollziehen, warum nur eine Verlängerung der Linie „2“ bedacht wurde.

12. In diesem Zusammenhang erachten wir es als unbedingt nötig, die Taktzeiten, nicht nur im Busverkehr, neu einzustellen. Wenn es zu der Verkürzung der Linien „2“ und „8“ kommen sollte, findet in einigen Stadtteilen an bestimmten Tagen und Tageszeiten nur noch eine 15-minütige Anbindung statt. Gemessen an den Einwohnerzahlen ist dies eindeutig zu wenig. Bei Veranstaltungen im Stadtzentrum, dem Zentralstadion, der Arena Leipzig oder z.B. auch in der Weihnachtszeit ist zu beobachten, dass der wochentags nach 19:00 Uhr sowie am gesamten Wochenende geltenden 15-Minutentakt zu vollen Straßenbahnen führt. Eine Verkürzung der Taktzeiten würden wir daher ausdrücklich befürworten und sie ist auf Grund des erhöhten Verkehrsaufkommens ebenfalls gerechtfertigt.

13. So steht die mit dem „Netz-2010“ angestrebte Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs im Leipziger Westen im Widerspruch zu der stetigen Preisentwicklung.

14. Wenn die LVB und die Stadt Leipzig einen Anteil von 25% an allen in der Stadt zurückgelegten Wegen anstreben, erscheint es rätselhaft, wie es dann zu einer Einsparung von zwei Straßenbahnlinien im Leipziger Westen kommt. Dies widerspricht auch dem Grundsatz des Nahverkehrsplans der Stadt Leipzig, nach dem das Straßenbahnnetz in seiner Form zu erhalten und bedarfsorientiert auszubauen ist.

Somit hoffen wir von der Wählervereinigung Leipzig, dass unsere und die an uns herangetragenen Bedenken sowie Verbesserungsvorschläge Ihnen helfen, die Busnetzreform „Netz-2010“ zu optimieren.

Wir bedanken uns dafür, dass es uns möglich war, umfassend Stellung zu nehmen. Über eine Rückantwort würden wir uns im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,

Manuel Kuzaj, WVL

Manuel Kudzaj, AG Stadtentwicklung

Manuel Kuzaj, AG Stadtentwicklung