Das Ende einer Ära?

August 4, 2010 · Abgelegt unter Arbeitskreis Stadtentwicklung, Infrastuktur / Verkehr, Umwelt, Verkehr 

Viele kennen ihn, konnten selbst einen ihr eigen nennen, sind ihn gefahren, haben sich fahren lassen, waren Stolz auf ihn, haben ihn gehegt und gepflegt oder riechen ihn einfach nur gerne. Viele haben ihn lieben und schätzen gelernt. Sie verbinden mit ihm viele (gute) Erinnerungen. Ob er das erste Auto war, auf das man dann auch noch einige Monate oder Jahre gewartet hat, man mit ihm und der ersten großen Liebe auf die grüne Wiese oder mit der eigenen Familie an die Ostsee in den Urlaub gefahren ist. Jeder kennt ihn, als Kultobjekt, Statussymbol der DDR und Legende einer Zeit. Eine Zeit, in der er einer von vielen war und heute in der Minderheit anderer Serienproduktionen steht.

Jeder, der sich an die obigen Beschreibungen erinnert fühlt, weiß von wem hier die Rede ist: Der Trabant – oder im Volksmund auch gerne einfach nur „Trabi“ oder „Rennpappe“ genannt – ist ebenso bedroht wie weitere 2-taktige DDR-Kultautos, wie z.B. der Wartburg oder der Dacia 1300.

Sein Minderheitsstatus und der Tatsache geschuldet, dass er nicht den aktuellen technischen und ökologischen Maßstäben entspricht, soll ihm nun zum Verhängnis werden. Mit der Einführung der Umweltzone am 01.03.2011 in Leipzig soll er nach dem Willen der Stadtverwaltung aus der Stadt verschwinden.
Da er nicht über eine dann erforderliche grüne oder zumindest gelbe Umweltplakete verfügt, droht ihm das baldige aus. Eine Umrüstung auf die gelbe Umweltplakete, was eine vorübergehende Sondererlaubnis bis Ende 2014 bedeuten würde, ist für ihn leider nicht machbar. Sofern Privathalter auch keinen gewerblichen Nutzen aus ihrem geliebten Trabi ziehen oder bereits über ein „H“-Kennzeichen verfügen, ist er womöglich schon bald das letzte Mal über Leipzigs Straßen gerollt.

Hoffnung gibt es nur für die Autos, welche am Stichtag (01.03.2011) einen Oldtimer-Status inne haben. Nach § 2 Nr. 22 der Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV) gelten Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren in Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen als Oldtimer.
Daher müsste das Auto spätestens am 01.03.1981 zum ersten Mal in den Verkehr gekommen sein, damit Fahrzeughalter von dieser Regelung profitieren können.

Während eine ganze Reihe von Fahrzeugen von Ausnahmeregelungen umfasst werden, gelten diese, nach dem Willen der Stadtverwaltung und den Initiatoren der Umweltzone für den Trabant oder den Wartburg nicht. Ich persönlich und viele andere Halter der Fahrzeuge finden das mehr als bedauerlich. Gerade wenn man bedenkt, welch geringe Anzahl an Fahrzeugen für diese Ausnahmeregelungen in Leipzig in Frage kämen.
Auch ist es nicht erklärbar, warum ein Fahrzeug die nächsten Jahre bis zur Erlangung des Oldtimer-Status in der Garage verbringen muss und danach wieder fahren darf.
Da einigen Leipzigerinnen und Leipziger der Neukauf eines Fahrzeuges zudem persönlich finanziell unzumutbar sein kann, sollte hierbei auch auf diese Fälle größte Rücksicht genommen werden.

Deshalb kann die Forderung an Herrn Oberbürgermeister Burkhard Jung, das Dezernat III (Umwelt, Ordnung und Sport) Herrn Heiko Rosenthal sowie an das Amt für Umweltschutz Frau Freifrau von Frisch, im Sinne aller Fahrzeugliebhaber nur wie folgt lauten: Alle 2-taktigen Fahrzeuge (Trabant, Wartburg), welche in den nächsten 10 Jahren ohnehin automatisch den Oldtimer-Status für ihr Fahrzeug erhalten würden, werden in den Ausnahmekatalog mit aufgenommen.

Manuel Kuzaj

Ehemaliger Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr der
Wählervereinigung Leipzig e.V. (WVL)