Kommentar zur Neugestaltung des Wintergartenareals

August 29, 2010 · Abgelegt unter Arbeitskreis Stadtentwicklung, WV-Leipzig 

„Warum muss eigentlich jedes Fleckchen Erde in Leipzig zugebaut werden?“

Diese Frage stellt sich der Verfasser, wie vielleicht auch viele andere Leipziger Bürgerinnen und Bürger, als die Leipziger Volkszeitung (LVZ) an diesem Wochenende (28./29.08.2010, Seite 18) über den städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Wintergartenquartiers berichtete. Demnach soll das ca. 7200 Quadratmeter große Grundstück neben dem Wintergartenhochhaus neu gestaltet bzw. bebaut werden.

Warum jedoch muss dies unbedingt geschehen? Ist es nicht schon bezeichnend, dass man für das Areal in der Vergangenheit keinen geeigneten Käufer fand.
Warum genügt es nicht die freie Fläche so zu belassen, wie sie aktuell ist? Oder wenn schon eine Veränderung nötig ist, warum begrünt man diese nicht und pflanzt ein paar Bäume, womit das Umfeld insgesamt ebenfalls attraktiv aufgewertet wird.

Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft  (LWB) verweisen darauf, dass alle 208 Wohnungen des Wintergartenhochhauses derzeit vermietet sind. Mit einer möglichen Realisierung einer der beiden Siegerentwürfe, würden um das Wintergartenhochhaus 5-6 stöckige Gebäude entstehen. Wie wird sich dies auf die Wohnqualität in den unteren Etagen des insgesamt gut 100 Meter hohen Wohnhauses auswirken?

Mit der Bebauung der Höfe am Brühl, der beiden verbliebenen Winkel am Bildermuseum, dem Bau der neuen Probsteikirche St. Trinitatis (am Martin-Luther-Ring) sowie einer möglichen Bebauung der Freifläche zwischen Thomaskirchhof und Petersstraße (die LVZ berichtete) zu Gunsten eines Imbissbetreibers, verschwinden demnächst weitere zentrale Grünflächen.

Quelle: http://www.leipzig.de/de/buerger/newsarchiv/2010/16954.shtml

Die Stadt beweist jedoch mit der begonnen Wiedererrichtung der Klingertreppe zwischen der Runden Ecke und dem Richard-Wagner-Platz, das eine Einbindung der Grünanlagen, wie der am Dittrichring, sehr wichtig ist. Der Promenadenring, der älteste städtische Landschaftspark Deutschlands, bietet derzeit und somit auch zukünftig die einige Möglichkeit Natur im Stadtkern zu erleben.

Der Verfasser moniert weiterhin, dass es in Leipzig genügend brachliegende Flächen gibt, welche sich für Neubebauung jedweder Art wesentlich besser eignen würden, als es bei Flächen im Stadtzentrum der Fall ist. In den letzten Wochen war mehrfach über eingestürzte oder einsturzgefährdete Häuser und Dächer zu lesen (Haus in der Bernhardtstraße; Haus Antonienstraße 46 / Ecke Klingerstraße; Haus Lütznerstraße / Ecke Cranachstraße; Haus in der Lutherstraße;…).

In einer Einwohneranfrage wurde erst kürzlich über die Zukunft von 40 brachliegenden Flächen gefragt. Da der Stadtverwaltung hierbei der Arbeitsaufwand zu hoch war, musste die Frage auf fünf Flächen beschränkt werden. Eine Antwort diesbezüglich steht noch aus. Doch fest steht, dass städtisches Grün als Erholungsraum unbedingt erhalten bleiben muss.

Ehemaliger Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr der Wählervereinigung Leipzig e.V. (WVL)