WVL-Stadtrat Berger „erblindet“ am Augustusplatz! Vielleicht versucht es der Oberbürgermeister auch einmal?

September 10, 2011 · Abgelegt unter Bürgerrecht, GLEICHSTELLUNG, Verkehr 

Christiane Kohl mit Tränen, das gibt’s nicht!“

Nachdem die stadtbekannte Vorsitzende der Kreisorganisation des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes Sachsen (BSVS) e.V. KO!-Leipzig den im Stadtrat bzgl. Verkehrsorganisation auf dem Augustusplatz aktiv gewordenen WVL-Mandatsträger Udo Berger mit einer „Schlafmaske in Ihre Welt geholt hatte“, ihn an ihrem Arm (in sicheren Bereichen allein mit dem Blindenstock) und in diesem Zustand kreuz-und quer über den zentralen Platz unserer Stadt geführt hatte, kam es zum Eklat.

Die Vielzahl der nicht nur erklärten, sondern soeben selbst erlebten Unzulänglichkeiten an diesem Ort, mit denen sehbehinderte Mitbürger tagtäglich trotz der dagegen bestehenden gesetzlichen Forderungen kämpfen müssen und die sie eben nicht gleichstellen, erzwangen die spontane Frage Bergers „Und warum sagt das niemand?“.

Bei der Aufzählung der im Kopf von Christiane Kohl minutiös gespeicherten ergangenen Information, Erklärungen, Schreiben, der Aktivitäten der Betroffenen, des Behindertenbeirates der Stadt Leipzig u.v.a wechselte die immer freundlich gestimmte Frau in sichtliche Erregung. Die an Berger gerichtete Ansprache „Mein lieber Freund, seit Jahren ………..“ ging mittendrin in Tränen unter.

Die schon im Sommerinterview des Leipzig-Fernsehens (die WVL bittet ausdrücklich um Kenntnisnahme) von ihr als Schlusssatz existente Aussage „Man soll mit uns reden, nicht über uns. Wir sind ganz normale Menschen.“ legte den Finger in die Wunde.

Stadtrat Berger, von der Stunde zwischen Oper, Post, Gewandhaus und neuer Universität sichtlich positiv erschlagen, resümierte: „Dann werde ich die Sache nochmals überarbeiten, vom Kopf auf die Füße stellen. Mit der Fertigstellung des Uni-Neubaus muss sowieso das Verkehrskonzept angepasst werden. Dann machen wir es diesmal gleich richtig.“ Durch die Vielzahl der weiteren Informationen von Carola Hiersemann, Beauftragte für Menschen mit Behinderung, der an den Rollstuhl gefesselten WVL-Fachbeirätin im Behindertenbeirat Hella Mucke und der Gästeführerin für behinderte Menschen Christa Schwarz ist eine weitere engere Zusammenarbeit der Beteiligten unabdingbar. Und das ist gut so.

Wenn die im Anhang aufgeführten Punkte (auszugsweise Aufführung) von Udo Berger in seinen Antrag eingearbeitet sind, möchte er mit Christiane Kohl auch „den Oberbürgermeister erblinden lassen“. Denn die eben erlangte Erkenntnis hat dem WVL-Stadtrat „die Augen geöffnet“. Das will er Burkhard Jung nicht vorenthalten.

Dieser soll auch auf diese Art nochmals praktisch bestätigt bekommen, das die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung an den Vorgängen in Leipzig, wie auch die Notwendigkeit des bürgerschaftlichen Engagements für unsere Stadt zwingend erforderlich sind. (Anm.d.Verf.: Sie erinnern sich? → helfer@wv-leipzig.de)

Karsten Kietz [WVL]

Notizen(Auszug):

  1. keine akustische Behinderten-Verampelung an den Schienenübergängen zwischen den damit ausgestatteten straßenseitigen Fußgängerampeln. (Wie übrigens an keiner Verkehrsinsellösung in Leipzig existent.)
  2. Gefährliche Mischverkehrsfläche durch weitreichende Bordkantenabsenkung im Bereich der Glocke der Demokratie. (starke Mischnutzung im Fußgängerbereich)
  3. nur sehr geringe Höhe der Borde auf den mittigen Verkehrsinseln der Straßenbahninseln im Bogen Goethestraße, vor Zugang Grimmaische Straße
  4. Beginn des Blindenleitsystems Innenstadt erst hinter Eingang Grimmaische Straße (Inkludierung Straßenbahnhaltestelle, Augustusplatz und Zugang Universität/Oper/Gewandhaus)
  5. abgesenkte Hochbordhaltestelle der Straßenbahn auf der Mittelfahrbahn (Es wurde u..a. auch an den rückwärtigen Sturz des Rollstuhlfahrers aus der Straßenbahn erinnert, der nicht am Fahrplan zur Kenntnis nahm, dass diese Haltestelle keinen behindertengerechten Ausbau besitzt. Darf man vielleicht bei einem Hauptpunkt der Stadt auch nicht erwarten?)
  6. Busbuchten“ für Touristenverkehr mit ordentlicher Bordkante, Beschilderung nur für Bus, max. 10min Haltezeit (Christiane Kohl wurde in der Stunde dreimal auf die ordnungswidrig – hier ist scheinbar stadtseitig Duldung angesagt – im Fußgängerbereich des Platzes haltenden Busse verbal hingewiesen, Herrn Stadtrat hätte man öfter „gegen das Blech laufen lassen“ können.)