Im Märchen gibt es meist ein Happy-End.

Wem der konkrete Anblick des Frau-Holle-Weges im Leipziger Stadtteil Marienbrunn nicht sofort gegenwärtig ist, könnte sich eine enge, knapp 200 Meter lange und 5,50 Meter breite Straße vorstellen, an deren rechter Fahrbahnseite parkende PkW’s berechtigt eine Fahrspur der mobilen Benutzung entziehen dürfen und die darüber hinaus von regem Verkehr durchflutet wird. Besonders starke Belebung erreicht die Straße in den Zeiten während des Beginns und des Endes der Schulzeit in der anliegenden Grundschule Marienbrunn.

Sie mögen Chaostheorie oder haben gern Alpträume?
Dann denken Sie noch ein bisschen weiter an den Frau-Holle-Weg und stellen sich diesen zusätzlich als Schulweg und Transportstrecke der mit dem Auto gebrachten oder abgeholten Schülerinnen und Schüler (sehr sehr hoher Anteil in Grundschulen) vor.

Die Anlieger des Frau-Holle-Weges, an der Realität geschult, begannen sich im Jahre 2008 konkretere Gedanken zu machen, ob der durch die ordnungspolitische Grundsatzentscheidung der Verkehrsführung festgelegte Zustand, für keinen Beteiligten irgendwie akzeptierbar, zu optimieren wäre. Immerhin 80% der betroffenen ansässigen Bürger beteiligte sich aktiv an der Ideenfindung.

Doch jede Erleichterung an diesem Ort war theoretisch nur mit der Verlagerung des Problems auf die anderen anliegenden Straßen spontan lösbar.

Die Offenbarung brachten die Kommunalen Wasserwerke. In einer Bauzeit von sechs Monaten wechselte die Wasserwirtschaft im Frau-Holle-Weg ihre Leitungen in alter Bleiausführung aus. Dabei blieb stets eine Seite der Straße befahrbar. Es herrschte Einbahnstraßenverkehr und der Verkehr floß besser ohne das die Baustelle behindert wurde oder behinderte.

Am 18.Februar 2010, nach dem Ende der „wohltuenden Bautätigkeit“, legten die Bürger ihren damit gelebten Lösungsvorschlag dem Stadtbezirksbeirat Süd vor und forderten ein Verkehrs- und Sicherheitskonzept für das Gebiet Marienbrunn,  eine Einbahnstraßenregelung im Frau-Holle-Weg und eine Öffnung des breiteren Triftweges zur Probstheidaer Straße.

Tatort Stadtverwaltung:

Untersuchung und Machbarkeitsprüfung!

Vor-Ort-Begehungen, Verkehrszählungen und Geschwindigkeitsmessungen, mehrmalige Behandlung im Stadtbezirksrat, Ablehnung!

„Denn durch die Öffnung des Triftwegs würde Durchgangsverkehr erzeugt, welcher Auswirkungen auf das gesamte Wohngebiet habe. Wegen der schmalen Seitenstraßen könne nur ein eingeschränkter Begegnungsverkehr gewährleistet werden, der wiederum den ruhenden Verkehr auf den Triftweg verdränge.
Nach der Straßenverkehrsordnung bedarf eine Einbahnstraßenregelung einer Rechtsgrundlage. Die gewünschte Regelung muss hinsichtlich ihrer Erforderlichkeit begründbar sein.
Im untersuchten Fall des Frau-Holle-Weges entstehen bei einer Einbahnstraßenregelung Umwege für die Bewohner der betreffenden Wohngebiete und damit eine unnötige Mehrbelastung der anderen Anliegerstraßen. Unter Berücksichtigung der nachteiligen Auswirkungen auf das Wohngebiet sei eine solche Maßnahme nicht verhältnismäßig und könne deshalb nicht angeordnet werden.“

Entscheidungsgrundlagen:

1.100 Fahrzeuge pro Tag im Frau-Holle-Weg (→ normale Verhältnisse für eine Durchgangsstraße)

durchschnittliche Geschwindigkeit 38 km/h ( →  „Für Leipziger Verhältnisse sei das innerhalb von 30er Zonen nichts ungewöhnliches, wenn auch rechtswidrig.“)

Verkehrs- und Tiefbauamt sieht keinen Handlungsbedarf, aber das Ordnungsamt wird Geschwindigkeitskontrollen durchführen.

Schluß aus! Im Frau-Holle-Weg bleibt Pechmarie und ihre pure Faulheit die Hausherrin, solange bis es gelingt die Marienbrunner zu einen und auf den Gesamtnutzen für alle schauen zu lassen. Dazu muss zur bürgerschaftlichen Eingkeit aber wenigstens eine bißchen Fleiß der Goldmarie in den Entscheidungsebenen Einzug halten. Nur zu finden, was gegen etwas spricht, zeugt nicht von Problemlösungskompetenz.

Leider würde dann im „Verkehrsstau“ auf dem Frau-Holle-Weg keine Zeit mehr bleiben, den Kindern Märchen zu erzählen, aber er wäre ein gutes Beispiel das solche realer als maches andere sind.

Dietmar Kipping [WVL]