„Die Schöne der Nacht“ hat’s schon!

Februar 29, 2012 · Abgelegt unter Lichtverschmutzung, Stadtentwicklung, Umwelt 

Nächtlicher Glanz in einer Stadt von Welt erzeugt Lebensgefühl.

Am Dienstag abend strahlte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in der Reihe „OZON unterwegs“ einen knapp halbstündigen Beitrag über die Nachteile des Lichtglanzes aus.

Denn Licht ist auch zum Problem geworden, „der Verlust der Nacht“ hat weitreichende Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Der sehr empfohlene Beitrag des rbb „Die Macht des Lichts – und seine Schattenseiten“ beleuchtet das Problem von vielen Seiten.

Warum das für die Erholung und Regenerierung des menschlichen Körpers notwendige Melatonin nur bei Dunkelheit wirksam wird, warum der Hell-Dunkel-Zyklus für die innere Uhr des Menschen zwingend notwendig ist oder wieso der Mensch Dunkelheit als Angst empfindet, wird in diesem Beitrag anschaulich vermittelt.

BERLIN, die Schöne der Nacht, hat die Entwicklung des Lichts als Stilmittel zum Glanze der Regierungsarchitektur, in der Leuchtstoffröhren-Werbung am Ku’damm ebenso wie das wirtschaftliche Wachsen dieses Industriezweiges im eigenen Leibe praktiziert und einen eigenen Flair damit entwickelt. Das sie einmal im Jahr als „City of Ligths“ die 100jährige Entwicklung in der EU darstellt und die Nacht zum Tage macht, scheint hier kein besonderer Tatbestand zu sein.

Als Astronomen mit dem Wegzug einer bedeutenden Sternwarte von der Friedrichstraße in Berlin Richtung des „damals noch dunklen“ Potsdam vor 100 Jahren den ersten Problemruf ausbrachten, zeigten sie auf mit welcher Sensibilität die Lichtverschmutzung in das Lebensumfeld des Menschen eingreift.

Der Verlust des genetischen Kompasses bei Babyschildkröten, die Zerstörung der Koordination bei Zugvögeln, Insekten und Fischen und deren Auswirkungen auf die Nahrungsmittelkette werden im rbb-Beitrag thematisiert.

Mit den Ergebnissen von Forschungen zu den Auswirkungen und dem Stand der technischen Entwicklungen sowie von intelligenten Lichtsteuerungen hat sich „die Schöne der Nacht“ ein Lichtkonzept für ihre weitere Entwicklung erstellt. Den Himmel zu schonen, geht bei umgesetzten Projekten mit gezieltem Licht wie im Sony-Center und am Brandenburger Tor mit Energieeinsparungen von 50% einher. Das man gegen viele Lichtlärm-Quellen nichts weiter tun kann, als auf die Einsicht der Betreiber zu hoffen, zeigt das gesetzliche Grundlagen im Kampf gegen die „Todesstrahler“ fehlen.

BERLIN hat schon ein Lichtkonzept, Leipzig wird im Rahmen des 2.Regionalen Lichtforums erste Arbeitsergebnisse zur Beleuchtungsstrategie der Stadt (gemäß dem EU-Projekt PLUS in Verbindung mit der von Leipzig unterzeichneten LUCI-Charta) vorstellen. Die Beleuchtungsstrategie mit Aktionsplan wird bis Ende Semptember fertig vorliegen. Mit Bürgerbeteiligung?

Na schauen wir mal! Vielleicht zuerst den rbb-Beitrag „Die Macht des Lichts – und seine Schattenseiten“

Karsten Kietz [WVL]

P.S. Übrigens: In Berlin machen im Auftrag des Senats Aktivisten aus der FH „der ehemals dunklen Stadt Potsdam“ eine Bestandsaufnahme des Lichtmülles der Hauptstadt.

Bild: (C) F.Vohla – Augustusplatz inverse Lichtsäule 29.11.2010