Wenn die Bürger am Thema beteiligt sind, geht manches doch nicht so schnell. (V/1904 erst im Juli!)

Schon seit geraumer Zeit trägt WVL-Stadtrat Udo Berger die Ratsvorlage V.1904 in seiner Tasche, seinem Kopf und seinem Herzen mit sich herum und „fast jedes zweite Gespräch“ dreht sich um das Thema „Wohnen für Berechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in Leipzig“. Im Rathaus soll zu diesem vom Sozialamt Leipzig ausgearbeiteten Konzept eine baldige Entscheidung getroffen werden.

Dass Oberbürgermeister Burkhard Jung den Beschluss zur Sache aus der Juni-Sitzung genommen hat, bringt auch für den Stadtrat der WVL in dieser Sache einen Monat Luft. Denn er ist vor Ort der Partner für die Meinungen der Bürger, den Willen des Souveräns.

Und die Bürger sind besorgt. Eine Stimmung, die Udo Berger auch schon mal den Schlaf raubt.

Der wirtschaftliche Erfolg eines großen Medienversenders und seine dringend notwendige räumliche Expansion („Leipzig und das weltgrößte Bücherregal?“) hat den in den ehemaligen Sozialgebäuden der sowjetischen Streitkräfte untergebrachten Zufluchtsuchenden (politisch Verfolgte, deren Schutz nach §16(2) im Grundgesetz garantiert wird) eine Chance auf Integration eröffnet.

Leipzig will nun das ihnen derzeit zur Verfügung gestellte „Asylon“ an der Torgauer Straße veräußern und bietet dafür Objekte in den übrig gebliebenen „herrenlosen“ Häusern, dezentral an kleineren Standorten und direkt integriert bei den gastfreundlichen Bürgern unserer Stadt an.

Dass Professor Fabian als zuständiger Bürgermeister Leipzigs am 08.05.2012, dem Tag als „mehr oder weniger die Katze aus dem Sack gelassen “, die Verwaltungsarbeit der Pleißenburg dem Bürger öffentlich bewusst wurde, das vorgelegte Konzept als Umsetzung neuer Standards unserer Stadt zu „Weltoffenheit“ und Dezernatsleiterin Martina Kador-Probst die Möglichkeiten „der menschenwürdigen Unterbringung“ der bei uns „Gestrandeten“ hervorhebt (LVZ 09.05.2012), zeigt Konsequenz und positive Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Sorge der unmittelbar betroffenen baldigen Nachbarn, der befürchtete „Idylleverlust“, die „Angst um Eigentum und einen möglicher Wertverlust des Grundeigentums“, die Möglichkeit von Mietvertragskündigungen und fehlender Wiedervermietbarkeit u.a.m., vielleicht gelegentlich überspitzt, fand schnell Artikulation in Bürgerinitiativen und führte bereits zu Demonstrationen gegen die Inhalte der Ratsvorlage.

Für die Bürger Leipzigs bleibt jetzt noch ein wenig Zeit, die von Udo Berger auf den zahlreichen Bürgertreffen und in den vielen persönlichen Gesprächen immer wieder betonten bürgerschaftlichen Mitwirkungsmöglichkeiten zur politischen Meinungsbildung zu nutzen. Denn dass das „Immobiliengeschäft“ der Stadt Leipzig mit dem Asylbewerberheim in der Torgauer Straße weitreichenden Einfluss auf unsere Stadt hat und nicht mit einem schnellem „Objekttausch“ erledigt werden kann, wird jeden Tag deutlicher.

Die nunmehr im Sommermonat Juli zu behandelnde Ratsvorlage darf zu keiner Technokraten-Lösung führen, der Beschluss muss Bürgerwille sein.

Udo Berger, sowie alle anderen Stadträte und Stadträtinnen, werden zur Ratsvorlage im Monat Juli vertretungsweise für die Leipziger Bürger entweder die Hand heben oder den Daumen senken.

Wichtig für Leipzig ist, dass nicht nur von jedem Einzelnen eine private Meinung gefunden, sondern diese auch an die demokratische Vertretung kommuniziert wird.

LEIPZIG ist BÜRGERSACHE. Nicht meckern, mitmachen!

Karsten.Kietz [WVL]