Die Mütter Leipzigs stehen im „Hinterhof des Rathauses“

Ich telefoniere mir die Finger wund, seit meine Tochter geboren ist und stehe auf unzähligen Wartelisten“, so beschreibt Katja Herbig den Zustand ihrer Suche nach einem Kinderbetreuungsplatz in der Stadt Leipzig.
Dem Aufruf des Bündnis90/Die Grünen zur „Kinderwagen-Parade“ auf dem Burgplatz sind am 05.07. dieses Jahres eine Menge junger Frauen gefolgt, auch um dem Oberbürgermeisterkandidaten Felix Ekhardt den sie und ihre Leidesgenossinnen treffenden Mangel der Verwaltungsarbeit einmal direkt „aufs Brot zu schmieren“.

Grünen-Stadträtin Anette Körner führte sachkundig und umfangreich zu den Aktivitäten aus, denen sich die Gremien unserer Stadt in dieser Angelegenheit widmen. Doch da für alles Geld vorhanden sein muss, wird vieles dann doch nicht umgesetzt, kann auch sie nur resümieren. Den Planungen der Verwaltung, die den Bedarf der Mütter nur auf die Möglichkeiten des Stadtsäckels reduzieren kann, steht immer wieder entgegen, dass in Dresden das vom Bund für den Ausbau der Kapazitäten bereitgestellte Geld umgewidmet und nicht an die Kommunen ausgeschüttet wird. Ein Skandal!

Caroline Waegner, Vorstandsmitglied der Grünen, läßt blumige Beschreibung zu diesem Thema ganz klar weg und klassifiziert das diesbezügliche Tun als „leere Worthülsen“, will unbedingt die „Willkommenskultur für Kinder in diesem Land“ wiederhaben.

Für den Teufelskreis des Jugendamtes zwischen der Auskunft, „wenn ein Arbeitsplatz vorhanden ist, solle man sich melden“ und der dann zu diesem Zeitpunkt argumentierten „Notwendigkeit der Bedarfsanmeldung mindestens ein halbes Jahr vorher“ (gem.SächsKitaG) will der Vertreter der Bürgerinitiative „KITA-Kürzungen-STOPPEN“, Rechtsanwalt Dirk Feiertag, den Titel SKANDAL schon nicht mehr verwenden.

Statt hier den Bedarf zu analysieren und ersthafte Möglichkeiten in Angriff zu nehmen den festgestellten Krippenbedarf zu realisieren, setzt man beim Jugendamt offensichtlich darauf, dass ein solcher Rechtsanspruch in letzter Sekunde durch eine Gesetzesänderung entfällt.“

Im Leipziger Rathaus haben aber die Herren Haller und Jung die erst jüngst getroffene Klarstellung der Bundesregierung, dass es eine solche nicht geben wird, scheinbar überhört. Vielleicht ist es den Herren aber auch schon egal, denn Felix Ekhardt oder wer sich letztendlich 2013 die Kette des höchsten Bürgers Leipzigs umhängen wird, muss dann die Suppe der jetzt praktizierten Vogel-Strauß-Politik auslöffeln. Und es ist nicht der ROTE HAHN, den Feiertag aufmalt, wenn er auf „die privaten Kitaanbieter, die für kommerzielle Betreuung bereits in den Startlöchern stehen“ zu sprechen kommt.

Er prangert an, dass dann „nicht mehr das Kindeswohl sondern das Geldverdienen im Mittelpunkt steht. Pädagogische Konzepte wird man vergebens suchen, statt dessen horrende Rechnungen finden, die der Stadt zur Begleichung zugestellt werden“.

Schön, dass die zahlreich versammelten Mütter schon vor Felix Ekhardts Einladung wußten, dass sie an ihrem Thema weiter dran bleiben und richtig Druck machen müssen. Der Burgplatz könnte die Wiege einer neuen Politik für die Kinder in Leipzig werden. Und es könnte die schönste Willensbekundung der hiesigen Bürgerschaft werden, wie Volkmar Heinz‘ Fotos in der LVZ am 06.07. schon jetzt zeigen.

Karsten Kietz [WVL]

Foto: turbophoto.com