5 Jahre »kurze Südabkurvung«

Juli 26, 2012 · Abgelegt unter Bert Sander, Bürgerrecht, Fluglärm, Umwelt, Verkehr 

Vor 5 Jahren wurden wir, sprichwörtlich, aus heiterem Himmel von den ersten Überflügen über die kurze Südabkurvung überrascht. Gelegenheit für einen kurzen Rückblick und Ausblick.

Rückblick

Was vor fünf Jahren in Leipzig an Tricksereien mit den Flugrouten über die Bühne ging, wiederholt sich haargenau so in diesen Tagen in Berlin. Die Vorbereitung und Durchsetzung der behördlichen Bauplanungen laufen nach immer dem gleichen Drehbuch ab, zunächst werden die Anrainer beruhigt (z. B. »Leipzig wird weiträumig umflogen«), dann aber, wenn sich die meisten Bürger in Sicherheit wiegen und alle Widerspruchsfristen verstrichen sind, erst dann lässt man die Katze aus dem Sack, heißt, erst dann werden die letztgültigen Flugrouten – nicht selten zum Entsetzen der Bürger – festgelegt. Das eigentliche Problem bzw. der Grund aller Übel liegt allerdings offen zu Tage: Für die Flugroutenplanungen gibt es keine dem Planfeststellungsverfahren vergleichbaren gesetzlichen Regelungen und Abwägungsvorschriften, schlimmer noch, durch die Abkopplung der Flugroutenplanung (allein in der Verantwortung der Deutschen Flugsicherung) vom Planfeststellungsverfahren (in der Verantwortung des Regierungsdirektion) wird eine geradezu »arglistige Täuschung« der Bürger überhaupt erst ermöglicht. Das diese Möglichkeit bzw. diese Spielräume von Lobbyisten, Flughafenplanern und der Deutschen Flugsicherung genutzt werden, das hat sich vor fünf Jahren in Leipzig gezeigt und wird gerade aktuell in Berlin hemmungslos vorgeführt.

Ausblick

Dass über Leipzig die sogenannte »kurze Südabkurvung« »nur« zwischen 06.00 und 22.00 Uhr beflogen wird, das ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Es hätte uns auch wie zehntausend Hallensern ergehen können, denen ebenfalls versprochen wurde, »Halle wird umflogen«, die nunmehr jedoch mit der »kurzen Nordabkurvung«, die in etwa eine mit »unserer« Südabkurvung vergleichbare Tagesbelastung erreicht, fast jede Nacht aber noch zusätzlich von bis zu 30 nächtlichen Starts belastet werden.

Bekanntlich gibt es bereits für den Passagierflug in Leipzig mit Start- und Landezeiten von 05.30-06.00 und 22.00–23.30 Uhr eine Ausnahme vom Nachtflugverbot. Zu befürchten ist, dass diese Ausnahme auch für die kurze Südabkurvung zur Anwendung kommt. Wer meint, dass sei Panikmache, sollte folgendes bedenken: Die Begründungen für die Einrichtung der kurzen Südabkurvung lauten »Flüssigkeit des Flugverkehrs gewährleisten« und »andere Betroffen vom Fluglärm entlasten« (Verteilung des Lärms). Mit bis zu 30 Starts zwischen 05.00 und 06.00 Uhr ist der Leipziger Flughafen bereits heute an seine Kapazitäts- und die betroffenen Bürger in Radefeld, Seehausen, Taucha u. a. an ihre Belastungsgrenzen angelangt. Die beiliegenden Flugspurenaufzeichnungen zeigen, dass eine Öffnung der kurzen Südabkurvung nicht erst ab 06.00, sondern bereits vor 06.00 Uhr einigen Wirtschaftslobbyisten gut zupass käme.

Wie gesagt, diese Änderung kann jederzeit ohne Einbeziehung der Stadt Leipzig und der Betroffenen durch die DFS per Veröffentlichung im Bundesanzeiger umgesetzt werden. Kurzum, wir Bürger sind allesamt aufgerufen, nicht nur wachsam, sondern möglichst ideenreich den aufgezeigten Gefahren aktiv zu begegnen.

In diesem Sinne: Wehret den Anfängen!

Bert Sander

Stadtrat (Wählervereinigung Leipzig [WVL] in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen)