GlobalSpaceOdyssey. The day after.

Juli 26, 2012 · Abgelegt unter Bürgerrecht, Kultur, Stadtentwicklung 

Dass die erlaubte Maximallautstärke einer 70.000Leute-Demonstration nicht überschritten wird, überprüften an verschiedenen Orten Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit mobilien Meßgeräten. Die begleitende Polizei befand sich im entspannten AnwesenheitsEinsatz, der Straßenbahnverkehr floss reibungslos am Rande des Menschen- und Maschinenzuges und auch der queerende Verkehr, kurz aufgehalten, blieb angenehm beteiligt. Ordnung pur.

Darin ist die GSO (fast) perfekt. Wie oft wird auf einer Demo die wohltuende Ansage vernommen „An allen Wagen sind Abfallbehälter, Pfand solidarisch an den Straßenrand.“, dann problemlos umgesetzt und hinterm letzten Rad erstrahlt eine saubere Straße?

Und obwohl Julius Heinrichs in der LVZ am 23.07. versuchte über die vielen Spektren von „plastisch bis polemisch“ zu berichten, war er sich nach seinem knappen Überblick nur einer Sache ganz sicher: „Bei der GlobalSpaceOdyssey ist man unzufrieden.“

In seinem LVZ-Bericht wird Steffen Kache’s Beitrag zur diesjährigen GSO als „einzig sachlich argumentierend und das erste mal die Mißstände der hohen GEMA-Gebühren verdeutlichend“ wahrgenommen, über die darin angesprochenen Konsequenz des Chefs der DISTILLERY „Dann machen wir zu“ aber kein Wort berichtet. Und das dieses Schicksal viele weitere Orte der „selbstbestimmten, selbstorganisierten Kultur in einer Gesellschaft ohne Zwänge“ treffen wird, von Steffen Kache mit der Nennung der Namen anderer ebenso betroffener führender deutscher Klubs hinterlegt, hat Heinrichs scheinbar auch nicht gehört.

Man ist nicht nur unzufrieden, nein man schiebt richtig Frust.

Frust, der tanzt und hüpft, der Sound und Emotionen für eine 700tausenderStimmung im Gepäck hat.

Frust, weil ein einigermaßen gut funktionierendes System in der eigenen Lebensplanung angegriffen wird.

Frust, weil dass, was hier gewachsen ist, was alle Regeln achtet und einhält, aber eben doch nicht so richtig ins System passt, auf Linie gebracht werden muss und damit einer für viele wichtigen Sache der wirtschaftliche Atem zu erlöschen droht.

Auch wenn es so mancher „als Tätigkeitsnachweis für das eigene Bildungsbürgerdasein“ ansieht, gerade nicht zu wissen, was es bedeutet „am Morgen 5 Uhr aus einem Club in die gerade aufgebrochene Sommersonne zu treten“ (Michael Freitag L-iz.de 21.07.+++++), ist dieser Todeskampf der guten alten „Freunde“ auch mit Frust nicht zu ertragen.

Jedenfall erscheint es als sicher, dass die GEMA-Gebührenerhöhung so entscheidend auf die Kultur unserer Stadt Einfluss haben wird, wie „die Unmenge von Stadtvillen und Einkaufszentren“ Leipzig’s Flair nachhaltig beschädigt haben. Selbst wenn endlich die beschlossenen 5% des Kulturetats für die freie Szene von der Stadt bereit gestellt werden, fließen mehr als das über die grundlose GEMA-Erhöhung wieder weg. Damit das große System der Bespaßung am Laufen gehalten wird.

Vielleicht war es schlecht, dass Burkhard Jung einen privaten Termin hatte und der Einladung zur GSO nicht folgen konnte. Denn so hätte er seine Rolle als „LEIPZIG“ (nie wieder maßlos. – ZEIT 13.07.) in seiner Reaktion auf ROBERT SCHIMKEs Schreiben an seine Stadt LEIPZIG (liebes leipzig! – ZEIT 29.6.) vielleicht überdenken müssen?

Am Prenzlauer Berg haben die Bewohner auch irgendwann überrascht bemerkt, „dass die neue Welt, schon wieder genau so aussieht, wie die Stadt, aus der sie deswegen flüchteten.“

Karsten Kietz [WVL]

Fotos: Volkmar Kreiss