Schon 330km ziviler Ungehorsam!

September 25, 2012 · Abgelegt unter Dirk Feiertag, GLEICHSTELLUNG, LEIPZIGER ZWISCHENTÖNE 

Wir sind Menschen und wollen als solche behandelt werden. Unser Problem ist das deutsche Asylsystem.“

Mit diesen Worten prangerten in ihren Ländern politisch Verfolgte ihre persönliche Lage auf dem Karl-Heine-Platz in Lindenau an. In Ausübung des zivilen Ungehorsams haben sie die in Deutschland verordnete Residenzpflicht gebrochen, die sie in Würzburg zu verbleiben zwingt, und sich auf den Weg nach Berlin gemacht, um dort auf ihre Lebensumstände hinzuweisen. Menschen aus aller Herren Länder, zum größten Teil aus den mit Krieg überzogenen Ländern Afghanistan und Irak machten am 25.09. auf ihrer Tour in die Bundeshauptstadt in Leipzig halt und demonstrierten von 300 Leipzigern solidarisch begleitet auf den 10km von Lindenau in das Asylbewerberheim in der Torgauer Straße ihre Entschlossenheit, dass nicht mehr hinnehmen zu wollen. Am Rathaus vorbei, die Innenstadt kreuzend über die Eisenbahnstraße zu ihren Leidensgenossen am Rande der Stadt zeigten sie ihren Unmut laut.

Wir sind erzogen, dass wir uns unsere Rechte nehmen, nicht das wir Angst haben und uns der Ungerechtigkeit beugen sollen.“

Lagerunterbringung, konsequente Isolierung, keine Genehmigung einer Arbeit nachzugehen und Zwang den Ort nicht zu verlassen, Zustände die immer öfter im Freitod enden, nur den Selbstmord als Lösung erscheinen läßt. Auf der Pressekonferenz vor dem Start werden schlimme Beispiele benannt.

Gerade in Deutschland, in dessen dunkler Zeit der Naziherrschaft, der Verfolgung von humanistischen Gedanken und dem Massenmord an aufrechten Menschen, viele asylsuchend in anderen Ländern aufgenommen, dem sicheren Tod entronnen sind, in einem Land, dass die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet hat, empfinden sie sich als Ausgregrenzte, als rassistisch Verfolgte, ohne die Vision einer Zukunft.

Als am Ende der eindrucksvollen Demonstration im Asylbewerberheim in der Torgauer Straße die „Kämpfenden Flüchtlinge“ mit den hier untergebrachten politisch Verfolgten ihre Forderungen nach Abschaffung der Residenz- und der Lagerpflicht, der Beendigung von Arbeitsverboten, der Gewährung von Sprachkursen und einer schnelleren Bearbeitung ihrer Asylanträge diskutieren, wird auch darüber gesprochen, dass in Leipzigs Verwaltung über die dezentrale Unterbringung nachgedacht wird und dass die die Demo begleitende Polizei dem Bitten der seit dem 8.September durch Deutschland laufenden Menschen um Zurückhaltung vor dem Leipziger Lager anstandslos nachgekommen ist.

In Leipzig bewegt sich etwas!

Wählerinitative Realität [WÍR] e.V.
Mitglied der Wählervereinigung Leipzig e.V.

Fotos: WIR e.V.