Dumping-Flughafen Leipzig/Halle

September 26, 2012 · Abgelegt unter Bert Sander, Fluglärm, Umwelt, Verkehr, Wirtschaft 

Der Flughafen Leipzig/Halle vermeldet großartige Wachstumszahlen: Immerhin, der Airport kann auf eine Steigerung der Fracht von um die 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verweisen. »Unser Frachtgeschäft boomt«, fasst Flughafengeschäftsführer Dirk Näther die Entwicklung zusammen.

Nur, gerne würden sich auch die vom Nachtfluglärm betroffenen Bürger über diese Erfolgsmeldung freuen; doch leider, sie werden vor lauter Erfolgseuphorie von Dierk Näther mit keinem Wort bedacht. Dabei würde es tausende Leipziger Bürger doch einigermaßen beruhigen, wenn man ihnen zumindest die Hoffnung vermitteln würde, das sich proportional zum prosperierenden nächtlichen Frachtflugverkehr auch die Lärmschutzmaßnahmen entwickeln würden. Aber nein, das Leipziger Drehkreuz entwickle sich vielmehr gegen den bundesdeutschen Trend; bundesweit sei nämlich der Luftfrachtumschlag um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr »eingebrochen«, so Näther. Wir »entkoppeln uns damit vom globalen Trend«, so der Airport-Manager weiter. Was allerdings keine Kunst ist, wenn man sich nämlich zugleich von den mittlerweile »billigsten« bundesweiten Standards in Sachen »aktiven Lärmschutz« (Stichwort »Bonusliste«) »abkoppelt«.

»Näther führte das anhaltende Wachstum« maßgeblich »auf den rechtssicheren Betrieb rund um die Uhr zurück«, berichtet die LVZ. »Rechtssicher«? Herr Näther unterschlägt in dieser so selbstsicheren wie selbstgerechten Verlautbarung allerdings, dass aktuelle medizinische Studien mittlerweile nicht mehr nur eine beträchtliche gesundheitliche Gefährdung der von Nachtfluglärm betroffenen Bürger vermuten, sondern eben diese inzwischen eindeutig nachgewiesen haben. Dementsprechend hat im Juni 2012 der 115. Deutsche Ärztetag in einem Beschluss den Bund und die Länder aufgefordert, »die Bevölkerung in Deutschland nachhaltig und umfassend vor den Folgen des Flugverkehrs durch Flugzeugabgase und Lärmemissionen zu schützen«. Konkret fordert der Ärztetag, das Fluglärmgesetz und weitere Regelwerke kurzfristig so zu überarbeiten sind, dass die nicht mehr einfach wegzudiskutierenden »Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien in den Gesetzen abgebildet werden«. Das bestehende Fluglärmgesetz und die untergeordneten Regelwerke sind, so der Ärztetag, kurzfristig so zu überarbeiten, »dass aktuelle wissenschaftliche Evidenz berücksichtigt wird«. Aus Sicht des Deutschen Ärztetages sind die bestehenden Regelungen des Fluglärmgesetzes »nicht in der Lage, die Bevölkerung wirksam zu schützen«. Die Grenzwerte im Fluglärmgesetz seien »deutlich zu hoch« und stehen in einem »offensichtlichen Widerspruch zur vorhandenen Evidenz aus nationalen wie internationalen Studien«.

Nichtsdestotrotz, der von allen bundesweiten Fluglärmstandards »abgekoppelte« Dumping-Flughafen Leipzig/Halle lässt – auf Deubel komm raus – starten und landen, was sonst nirgendwo »geht«, sogar uralte Flugzeugtypen der russischen Antonow-Baureihe, die jüngst aufgrund ihrer Lärm- und Schadstoffemissionen selbst auf dem Moskauer Airport ein Start- und Landeverbot »eingefahren« haben. Aber gut, wie sagte einst der DHL-Manager Michael Reinboth: Im ostdeutschen Leipzig gelingt, was sonst nirgendwo möglich ist – »nicht mal in China«.

Und was kommt dabei für die von Lärm und Kerosinabgasen geschundene Region heraus: »Ein Wachstum, das in der Region Leipzig im Vergleich mit Dresden und Chemnitz bisher unterdurchschnittlich ausgefallen ist. Leipzig zeichnet sich durch viele relativ niedrig bezahlte Logistikjobs aus«, so die LVZ vom 21. September in einem Interview gegenüber Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP).

Bert Sander [WVL]