Shared Space in Leipzig! Ein „denk mal“?

Oktober 4, 2012 · Abgelegt unter Arbeitskreis Stadtentwicklung, Infrastuktur / Verkehr, Verkehr 

Geteilter Raum? Freiraum? Selbstorganisiertes Verkehrsgeschehen?

Eine Idee zum Platz des Augustus, die manchem Leipziger den Angstschweiß auf die Stirn treibt, vom Chaos fabulieren läßt.

Warum?

Ist es unserer „deutschen Mentalität“ geschuldet, dass klare Anweisungen im Verkehrsgeschehen uns Rechte und Pflichten zuteilen müssen, um deren komplexe Variationen sich teilweise auch erzwingende „Kampfgeschehen“ auf den Straßen entwickeln und deren subjektive Interpretationen immer wieder gefährliche Situationen bis zum letztendlichen Crash heraufbeschwört?

Dass die Hauptregel des Systems „Gemeinschaftlicher Raum“ in gegenseitiger Rücksichtnahme besteht, „erzeugt eine gewollte Unsicherheit, welche die Verkehrsteilnehmer dazu zwingt, den Raum situationsbedingt unter anderem durch Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern einzuschätzen.“ (shared space – wikipedia)

Das Problem, dass es beim Blickkontakt zu beachten gilt, ist, dass eben nicht dem Verkehrspartner tief ins Auge geschaut und klargestellt wird: „Eh Mann eh, 220 PS, kostet 150.000 Euro, ich bin natürlich der Bessere und außerdem gibt mir das viereckige Spiegelei am Mast auch noch das Recht, dich umzufahren.“, sondern dass das Kind, der Senior, der Behinderte, der ortsunkundige Gast unserer Stadt, alle Verkehrsteilnehmer in ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen eingeschätzt werden und man gemeinsam richtig handelt.

Das von den in Deutschland existenten rund 20 Millionen Verkehrszeichen (39 unterschiedliche Gefahrenzeichen, 74 unterschiedliche Vorschriftszeichen, 93 unterschiedliche Richtzeichen, 26 unterschiedliche Sinnbilder und 133 Zusatzzeichen, insgesamt sind es 365 verschiedene Verkehrsschilder) an jedem Ort die Sicherheit garantiert wird, scheint fraglich.Wie sicher ist man sich, dass der andere sein Zeichen nicht gerade übersehen hat?

Die UDV (Unfallforschung der Versicherer) sieht jedoch die Gefahr, dass die derzeitige undifferenzierte Diskussion dazu führen könnte, dass öffentlichkeitswirksam von politischer Seite nach Shared Space verlangt wird, ohne dass den Verantwortlichen bewusst ist, was Shared Space eigentlich bedeutet. Die Leidtragenden könnten die schwächeren Verkehrsteilnehmer sein, insbesondere Kinder, Senioren und Sehbehinderte, die auf gesicherte und deutlich erkennbare Verkehrsführungen angewiesen sind. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) tritt daher dafür ein, die weitgehend emotional geführte Diskussion auf eine sachliche und fundierte Grundlage zu stellen. Dazu ist eine einheitliche Definition von Shared Space erforderlich.“

Die Wählervereinigung Leipzig (WVL) e.V. begrüßt die in Leipzig begonnen Diskussion und fordert die Stadtverwaltung auf, eine sachlich und fundierte Grundlage für Shared Space in Zusammenarbeit mit allen Betroffenen auf einem der wichtigsten Plätze unserer Stadt vorzulegen.

Der Finanzierungsvorschlag zur Umsetzung? Das schöne Schild auf dem Augustusplatz wäre doch in jedem Fall ein Denkmal für Frieden und Freiheit, noch keine Revolution, aber …….

Gerade Gemeinsamkeit ist die Stärke der Bürger Leipzigs.

Karsten Kietz [WVL]

Bild: wikipedia

P.S. Der ADFC hat sich der Angelegenheit schon intensiv gewidmet und stellt ein Positionspapier zur Verfügung. Wir bitten um Beachtung.