Lärmaktionsplan – Ein Placebo

Um eine Bewertung des Lärmaktionsplans vorzunehmen, kommt man nicht umhin, sich folgende Zusammenhänge vor Augen zu führen: Bundesweit geltende Lärm-Grenzwerte existieren nicht. Es handelt sich bei den vom Gesetzgeber vorgegebenen Werten nur um »Richtwerte«. So gibt der Gesetzgeber im Fall z. B. eines reinen Wohngebiets tags 59 dB und nachts 49 dB als Richtwert vor. Die Leipziger Stadtverwaltung dagegen lässt sich nicht lumpen, sie haut noch einige Dezibel oben drauf: Für Leipzig sollen gelten 70 dB am Tag und 60 dB in der Nacht.

Darüber hinaus: Die Lärmdaten (siehe: Lärmkartierung), die die eigentliche Arbeitsgrundlage für den Lärmaktionsplan darstellen, sind nicht tatsächlich gemessene, sondern immer nur berechnete, heißt, die in Anschlag gebrachten Lärmwerte sind nur Mittelwerte, also Werte, die die Lärmspitzen »abschneiden«, über einen bestimmten Zeitraum hinweg eben »verrechnen«. Ein weiteres substantielles Manko der Lärmberechnung ist, dass die Grenzwerte immer nur für eine Lärmquelle gelten, was bedeutet, eine Summation von Straßen-, Bahn- und Fluglärm, also eine sog. Kumulation von Lärmpegeln verschiedener Lärmarten wird nicht vorgenommen. Nicht zuletzt auf diese Weise entfernt sich der Lärmaktionsplan weiter und weiter von der Realität.

Bert Sander [WVL]