Motorbootverkehr auf dem Elster-Saale-Kanal?

Viele Spaziergänger am Kanal staunten letztes Jahr nicht schlecht, als sie auf dem Kanal die von einem nahegelegenen Bootsverleih vertriebenen Motorboote erstmals zu Gesicht, oder besser ausgedrückt, zu Gehör bekamen. Genau aber diese erste Begegnung kündigte nur den Auftakt einer unsäglichen Entwicklung an.

Die hohen Herren in Dresden nämlich sind wild entschlossen auch die Leipziger Wasserwege, einschließlich Auwald, einer geschäftlichen Verwertung zuzuführen: Im Februar dieses Jahres kündigte der Staatssekretär im Sächsischen Wirtschaftsministerium Roland Werner (FDP) neue »güldene« Zeiten für Motorbootfahrer an. Er versprach, die Nutzung von Motorbooten in Sachsen zu erleichtern / zu »liberalisieren« – Herr Werner nennt so etwas auch gerne »Entbürokratisierung«. Als dann auch noch Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) von neuen Trendsportarten auf dem Wasser, wie etwa Wassermotorrad, Kitesurfen und Touren mit Amphibienfahrzeugen, schwärmte und die führerscheinfreie Fahrt von Sportbooten bis 15PS meinte erlauben zu dürfen, da endlich schlugen die Wellen der Empörung hoch. Ohne dem Drängen, Sich-Einmischen und Nachhaken der Leipziger Bürger, ohne einer angedrohten Klage der Naturschutzverbände wegen offenkundigen Verstoßes gegen den hochwertigen Naturschutz im Auwald hieße es auch für den hiesigen Elster-Saale-Kanal und seine Anrainer »Land unter«.

Viele Teile des Leipziger Gewässernetzes, so auch der Kanal, vertragen kein zusätzliches Getümmel im Bootsverkehr. Das zusätzliche Aufkommen von Motorbooten provoziert geradezu Konflikte mit den anderen Nutzern: den Ruderern, Paddlern, dem Trainingsbetrieb der Wassersportler, die hier ja bereits seit Jahrzehnten zu Hause sind, den Sportanglern und nicht zuletzt mit den zahlreichen Erholung-Suchenden.

Und überhaupt, was hätte unsere Ortsteile, einschließlich der angrenzenden Gartenvereine, von einer Ausweitung der hobbymäßigen Motorbootnutzung – wohl kaum mehr als Motorgetöse. Gerade die Motorboote werden nicht anhalten, damit sich deren Passagiere erfrischen oder bei Kaffee und Kuchen in den ansässigen Gastwirtschaften stärken können; warum sollten sie auch anhalten, die Motorbootcrew muss sich nicht in die Ruder legen, sie benötigt keine Pausen. So schnell wie die Motorboote kommen, so schnell sind sie auch schon wieder z.B. an der regionalen Gastronomie vorbeigefahren. Nicht ein Cent mehr, geschweige denn, ein zusätzlicher Arbeitsplatz springt für den Leipziger Westen durch die Motorisierung des Bootsverkehrs auf dem Elster-Saale-Kanal heraus.

Kurzum, zu verhindern, dass der Elster-Saale-Kanal zu einem Rennparcours für Motorbootfahrer verkommt, ist eine Aufgabe, die auf uns alle in nächster Zukunft zukommt.

Bert Sander [WVL]

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