Naturkundemuseum weiter aussitzen?

Die Realisierung des Naturkundemuseums darf nicht erneut verzögert werden. Schon vor Jahren wurden von Dr. Schlatter und Förderverein Standorte wie beispielsweise an der Hain-Spitze oder dem Tröndlinring vorgeschlagen, fanden aber keine Unterstützung. Jetzt diese Standorte erneut oder auch andere in die Diskussion einzubringen ist nicht hilfreich. Eine weitere Verzögerung der Entscheidungsfindung wäre zwangsläufig die Folge. Der Betrieb im Naturkundemuseum mit seinen unhaltbaren Zuständen, kann in dieser Form nicht mehr lange aufrecht erhalten werden. Die Schließung wäre der Supergau.

Dass das Museum möglicherweise noch viele Monate ohne Direktor auskommen muss, ist ein großes Problem. Die wenigen noch verbliebenen Mitarbeiter, schaffen kaum die dringendsten Arbeiten und müssen nun auch teilweise noch die Aufgaben des Direktors mit übernehmen. Trotz Beschluss der Ratsversammlung, schon 2012 einen „Projektleiter“ einzustellen, um so einen geordneten Übergang für den im Januar 2014 ausgeschiedenen Herrn Dr.Schlatter zu gewährleisten, ist dies nicht erfolgt. Weil aber dann die Ausschreibung für die Stelle des neuen Direktors erst so spät erfolgte, war schnell absehbar, dass ein regulärer und nahtloser Übergang nicht mehr möglich ist. Viel Wissen geht verloren, für den täglichen Betrieb eine zusätzliche Belastung. Der vorläufige Höhepunkt der traurigen Posse ist aber nun die Nachricht, dass auch der designierte Nachfolger seine Bewerbung wieder zurückgezogen hat. Eine Begründung dafür ist nicht bekannt. Allerdings muss niemanden verwundern, dass der Anspruch einen „erfahrenen Nachfolger“ zu finden, der auch schon „ein großes Museum geleitet hat“, nur schwer mit der Realität zusammen passt, die dem Bewerber geboten wird: ein trauriges Museum, das um sein Überleben ringt, mit einer mini Ausstellungsfläche, sehr begrenzte Zutrittsmöglichkeiten und eine völlig ungewisse Zukunft. Wen wundert das?

Die Schlussfolgerung von Bürgermeister Faber ist, nun zunächst den „Masterplan“ abzuwarten und erst danach die Leistungsstelle neu auszuschreiben. „Dies ist der absolut falsche Weg und der falsche Ansatz! Nur umgekehrt kann ein Schuh daraus werden“, so Dieter Deissler! „Der Direktorenposten muss schnellstmöglich neu besetzt werden und zwar mit einem jüngeren, ehrgeizigen Bewerber, der eine Vision mitbringt, der eigene Ideen in die Weiterentwicklung bestehender Konzepte einbringen möchte. Der mit diesem Enthusiasmus Mitstreiter und Unterstützer gewinnen, der Wirtschaftsunternehmen und wissenschaftliche Institute gleichermaßen von seinen Plänen überzeugen kann. Eine Person, die ggf. auch improvisieren kann und auch unkonventionelle Wege beschreitet, eine Person, die es als Lebensaufgabe betrachtet, die Realisierung mit zu gestalten. Ich halte es nicht für zwingend notwendig, dass ein potentieller Bewerber bereits ein großes oder bekanntes Museum geleitet haben muss“. Oft wird dabei an die Startphase des heutigen Leipziger Zoos erinnert. Es ist nicht nur ratsam, es wird auch erfolgversprechender sein, einen Bewerber zu finden, der sich und seine Ideen verwirklichen kann, als einen erfahrenen, möglicherweise auch teureren Menschen, dem ein fertiges Konzept vorgelegt wird, mit dem er sich zwangsläufig arrangieren muss.

Allem voran muss aber gelten, jedem Bewerber gegenüber den deutlichen Willen zu signalisieren, dass alle Bürger, die Stadträte und die Verwaltung diese wichtige Bildungseinrichtung erhalten und zu neuem Glanz führen wollen. Dass schnellstmöglich im Rat ein unumkehrbarer Beschluss gefasst und dazu in den nächsten Jahren auch das Geld im Haushalt eingestellt wird.

Verschiedene Veranstaltungen haben gezeigt, dass es in Leipzig genügend Menschen gibt, die Fachwissen mitbringen und gerne an der Umsetzung der Pläne und der Weiterentwicklung der bestehenden Konzepte mitwirken möchten, unter anderem auch die Mitarbeiter des Museums selbst.

Von Experten aus der Museumslandschaft wird immer wieder betont, dass das neue Naturkundemuseum nicht nur ein städtisches Museum werden darf, sondern ein Museum mit dem Anspruch und auch der Verpflichtung, ein überregionales Museum zu sein. Dabei wird selbstverständlich auf moderne Techniken nicht verzichtet werden können, aber ebenso wichtig wird es sein, die Archive zu öffnen und die wertvollen und einzigartigen Exponate vor allem jungen Besuchern zugänglich zu machen.

Dieter Deißler [freier Stadtrat]