ZU ALLERERST: Die Künstler sind nicht schuld.

Juli 21, 2014 · Abgelegt unter Bert Sander, Leipzig, Stadtentwicklung, Stadtrat Leipzig, Stadtverwaltung 

Zu allererst: Die Künstler sind nicht schuld. Wir müssen es deutlich sagen, die Fehler, die zum Scheitern des Wettbewerbsverfahrens geführt haben, sind allesamt politischer Natur.

Allerdings sind diese Fehler nicht nur von der politischen Stadtverwaltung verübt worden, sondern eben auch von Land und Bund.

Es ging von Anbeginn des Denkmalsverfahrens eben nicht nur um ein Gedenken der Friedlichen Revolution, nein, allein darum konnte es schon deswegen nicht gehen, weil Leipzig bereits heute mit einer breiten symbolischen Repräsentanz der Friedlichen Revolution (siehe etwa Nikolaikirchhof) ausgestattet ist. Die politisch Verantwortlichen von Bund, Land und Stadt verband von Anbeginn aber eben auch das politische Kalkül sich selbst mittels Denkmal an die Spitze der Bewegung für Freiheit und Einheit zu setzen. Die frühen und zahlreichen Bedenken im Vorfeld des Verfahrens wurden als bloße provinzielle Befindlichkeiten abgetan.

Strafverschärfend kam hinzu, dass das Wettbewerbsverfahren durch ein stadtplanerisches Kalkül schlichtweg überfrachtet wurde – schließlich ging ja nicht nur um ein Denkmal, sondern eben auch um eine Platzgestaltung. Jedoch all die Diskussionen über Platz, Größe, Gestaltung etc. verdecken nur den eigentlichen Grund des Scheiterns. Könnte es vielleicht sein, dass die Zeit für ein derartiges Denkmal einfach noch nicht reif ist? Ein Indiz für die Richtigkeit dieser Annahme ist, dass immerhin ja auch das Berliner Verfahren für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal gescheitert ist. Aber warum nur? In Berlin kamen immerhin 532 Entwürfe zusammen. Lag es an den Künstlern? Sind die vielleicht allesamt zu doof? Wohl kaum!

Was im Herbst 89 in Leipzig begann, nämlich der Prozess der Deutschen Wiedervereinigung, ist noch längst nicht abgeschlossen. Das Leipziger wie auch das Berliner Denkmalsschlamassel machen zumindest eines deutlich: Nicht nur, wer zu spät kommt, sondern eben auch, wer zu früh kommt, den bestraft die Geschichte.

Es geht in dem vorliegenden Änderungsantrag nicht darum gegen irgendjemanden zu gewinnen, sondern allein darum, weiteren Schaden von der Stadt und eben auch von den beteiligten Künstlern abzuwenden. Aber eines sollte auch sehr deutlich gesagt werden, grundsätzlich steht einem nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig nichts entgegen. Nur, wir sollten sowohl den Zeitzeugen als aber auch den sog. Nachwendegenerationen die Zeit einräumen, um – mit einem gebührenden Abstand zu den historischen Ereignissen – eine würdige Form des Gedenkens entwickeln zu können.

Bert Sander [WVL]