Bürgerticket

Die Überlegungen für alternative Finanzierungswege sind notwendig und gut. Sie sind nicht neu und schon gar nicht revolutionär, der Aufschrei einiger Wenigen deshalb überflüssig.

Gerade in Leipzig ist es aus verschiedenen Gründen mehr angebracht, auch mal „quer“ zu denken, als anderswo. Wegen der geringen Flächenausdehnung hat die Zunahme der Bevölkerung, mit einer weitestgehend gleichen Zunahme an PKW, deutlich sichtbare Auswirkungen. Wenn jeglicher Gedanke an mögliche Veränderungen grundsätzlich abgewürgt wird, werden große Chancen, gerade für Leipzig, leichtfertig vertan. Die Realisierung eines Bürgertickets könnte sich in vielen Bereichen günstig auszahlen. Sicher ist, dass wesentlich mehr Bürger die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen würden, mit einem planbaren Budget wären Netzerweiterungen, kürzere Taktzeiten und Fahrgastkomfort leichter zu realisieren. Neben dem ohnehin zu beobachtenden Trend bei jungen Menschen, auf ein eigenes Auto zu verzichten, könnten sich dem wesentlich mehr Bürger anschließen. Konsequenz: weniger Autos in der Innenstadt, weniger betonierter Flächenverbrauch, Kosteneinsparung für extrem teure Tiefgaragen, geringere Kosten für Straßenerhalt und Wiederherstellung, positive Auswirkungen auf die Luftbelastung und vieles mehr. Eine herausragende Zielstellung der Stadt, Tourismusförderung, könnte einen Riesenschub erfahren, weil Leipzig für Besucher – selbstverständlich immer auch für Einwohner – noch attraktiver werden könnte.

Noch 3 Aspekte: Leipzig könnte, ähnlich wie Freiburg i.Br., eine Vorreiterrolle für eine umweltfreundliche Idee werden, medienwirksam und vor allem werbewirksam für das Stadtmarketing. Der Ansatz eines Bürgertickets ist sozial, der Gedanke sollte deshalb in einem Sozialstaat Deutschland erlaubt sein. Die nun bekannt gewordenen monatlichen Beträge sind für die Masse der Bevölkerung keine nicht zumutbare „Belastung“, auch wenn sie das Angebot wenig oder nicht nutzen sollten. Als letzter Hinweis sollte darauf hingewiesen werden, dass bereits etliche andere Systeme genau so funktionieren. Um nur zwei zu nennen, die gesetzlichen Krankenkassen sind seit vielen Jahren eine wunderbare Einrichtung, mit der auch die Vielzahl der gesunden Menschen gut lebt und bei der Einführung der Gebührenregelung für Radio und Fernsehen sind keine Berichte über Massendemonstrationen bekannt geworden.

Die Idee eines Bürgertickets sollte nicht nur erlaubt sein, sie muss fortgeführt werden.
Leider hat der unglückliche Begriff „Zwangsticket“ im Vorfeld Schaden angerichtet.

Dieter Deissler [WVL]