Mogelpackung Naturkundemuseum

Nicht überall, wo Naturkundemuseum drauf steht, ist Naturkundemuseum drin!

Der Großteil der Befürworter des Naturkundemuseums in der Baumwollspinnerei verfolgen nicht das Ziel des Erhaltes einer traditionellen Bildungseinrichtung für unsere Kinder und Jugend. Es geht Ihnen um Fördermittel für ein Projekt mit Lofft, dem Tanztheater und dem der jungen Welt, für das es ohne Naturkundemuseum kein oder nur sehr schwierig Geld aus der Vielzahl der Fördertöpfe gibt. Darüberhinaus lassen sich die freiwerdenden Domiziele der FREIEN kulturellen Leuchttürme unserer Stadt hervorragend auf dem Markt der Immobilien zu Geld machen. Die Ankündigung, das jetzige Museumsgebäude des Naturkundemuseums in exponierter Lage schnellstmöglich verkaufen zu wollen, unterstreicht diese Absicht der Verwaltungsoberen.

Dass Jung und Bonew, lieber diesen Weg gehen wollen, hat sich schon in der Ära Herrn Doktor Schlatters, eines beseelten NaturkundeFREAKS (erhielt 1991 für die Realisierung des Naturkundemuseums Schaffhausen den Europapreis für das Museum des Jahres), gezeigt.

Seine Ideen alle „nicht finanzierbar“, seine begnadeten Fachleute nach und nach abgebaut, die Substanz des NATURKUNDEMUSEUMs dem Verfall preisgegeben. Die Schutzwürdigkeit von Eigentum der Stadt scheint hier gröblichst verletzt, die herrausragende Personalie Schlatter nur als Schleier und Schein installiert gewesen zu sein. Dass dessen begeisterndes Engagement gebrochen und seine Persönlichkeit beschädigt wurde, ist menschliches Drama.

Auf vorliegende Informationen erklärt Karsten Kietz, Vorsitzender der WVL:

„Der Standortnachteil im Westen der Stadt soll nicht etwa mit neuen Ideen und einem entsprechenden finanziellen Mehraufwand ausgeglichen werden. Nein, das Gegenteil ist vorgesehen. Eine Billigvariante, die mittel- und langfristig nicht existieren kann, wird realisiert. Für jemanden, „dessen Tochter lieber ins Belantis geht“, ist dieser Tod auf Raten keine Träne wert. Für andere, deren Töchter lieber ein Museum be- und die Welt zu erkennen suchen, aber schon. „

Der zentrumsferne Standort, mit ÖPNV plus 1 Kilometer Fussmarsch zu erreichen, wird KITA-Gruppen und Grundschulklassen, Touristen und ältere Menschen vom Besuch abhalten. Die Autofahrergilde wird mangels Pkw-Stellplätzen nicht anreisen. Außerdem fehlt für das junge Hauptklientel des Naturkundemuseums in der Baumwollspinnerei jegliche Verbindungsmöglichkeit eines Besuches mit anderen Angeboten. Das macht es noch unattraktiver.

Dass erst jetzt ein Direktor gesucht werden soll, ist nicht nachvollziehbar. Oder kalkuliert? Bei entsprechendem Verantwortungsbewusstsein des Oberbürgermeisters, hätte die Suche nach einem Nachfolger lange vor dessen Ruhestand beginnen müssen, wie es in jedem Unternehmen, jedem Verein und auch jedem öffentlichen Amt zwingend notwendig und üblich ist.

Wo bleibt der Aufschrei der Stadträte, die sich in der Vergangenheit gegen den Verkauf städtischer Immobilien ausgesprochen haben oder wenigstens regelmäßig eine kulturelle Nutzung gefordert haben?

Die Wählervereinigung Leipzig gibt dazu Ihrem Stadtrat Dieter Deißler Auftrag.

SCHREI ENDLICH DIETER!“

Foto: Ralf Juhlke l-iz