»glauben, singen, lernen« und/oder „Über den anderen Christian Wolff“

August 1, 2012 ·Abgelegt unter Bert Sander, Kultur · Comment 

Die Jubiläumsfeier zum 800-jährigen Bestehen der Trias »Thomaskirche, Thomanerchor, Thomasschule« steht unter dem Motto »glauben, singen, lernen«. Christian Wolff, derzeit Pfarrer an der Thomaskirche, stellt in seinem Grußwort zur Broschur »Programm. 800 Jahre THOMANA. Jubiläum 2012« die Frage: »Wie kann es sein, dass drei Institutionen die Reformationszeit und den damit verbundenen Konfessionswechsel, die Verwerfungen im 30-jährigen Krieg, das Dritte Reich und die Zeit von Diktatur und Bevormundung in der DDR-Zeit überstanden haben […]?« Für Pfarrer Wolff »kann [es] nur die eine Antwort« geben: »Es ist der Gegenstand, der bis zum heutigen Tag das Kontinuum schafft: der Glaube in der jüdisch christlichen Tradition und die damit verbundenen Werte […]« (Hervorhebung von B.S.). Am Anfang von allem steht also der christliche Glaube, immerhin, so Pfarrer Wolff, seien mit dem Glauben spätestens seit der Reformation Moral, Bildung und überhaupt die Vernunft untrennbar verbunden. Folgt man dieser Prämisse, entspricht die Reihenfolge im Motto »glauben, singen, lernen« doch wohl eher einer Rangfolge – was dem apostrophierten »Dreiklang« aus »glauben, singen, lernen« dann allerdings geradezu kategorisch-imperative Züge verleiht. Das dieser Verdacht nicht unbegründet ist, belegen weitere Wolffsche Einlassungen im besagten Grußwort: »Das gesungene Wort Gottes erweist sich als eine Überlebensration in einer kulturell und ethisch verwilderten und von Elend zerrütteten Welt« und »[…] was unsere Gesellschaft dringend braucht: kulturell gebildete, religiös gebundene, sozial kompetente und demokratisch gesinnte Menschen« (Hervorhebungen von B.S.). Weiterlesen…